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„die Basis“ und der Antisemitismus

Hier veröffentlichen wir unseren Redebeitrag zur Partei „die Basis“ vom 20.11.:


Wir sind heute hier zusammengekommen, weil wir das, was dort drüben auf dem Marktplatz stattfindet, nicht so stehen lassen wollen. Die rechte Schwurbel-Truppe der Partei „die Basis“ hat in den letzten Wochen in ganz Jena und darüber hinaus mobilisiert, um ihren antisemitischen und verschwörungsideologischen Dreck weiter zu verbreiten. Deshalb ist es wirklich wichtig, dass wir heute hier sind, auch wenn wir mit der AfD und anderen Nazis schon mehr als genug zu tun haben. Wir wollen heute der Basis den Boden entziehen. In Jena haben wir keinen Bock auf deren Scheiße.


Doch vorher sollten wir uns nochmal klar machen, wer diese ominöse Partei ist, warum wir heute gegen sie protestieren. Also für alle, die heute hier sind und für alle anderen, die vielleicht nur vorbei laufen, ein paar Infos zu der Partei, die hier in Jena genau wie in vielen anderen Orten Kandidat*innen für die Bundestagswahl aufgestellt, seelenruhig ihre Plakate gehängt und dann auch noch 1,4% der Stimmen geholt hat. 

Aus dem verschwörungsideologischen Umfeld der „Querdenken“ Bewegung entsprangen 2020 die Parteien „Widerstand 2020“ und „WiR2020“. Beteiligt war auch Bodo Schiffmann, der uns ja leider selber schon in Jena besucht hat. Ihn als Arzt oder Mediziner zu bezeichnen, ist wohl eine Beleidigung für alle, die seit über anderthalb Jahren und auch schon vorher unter katastrophalen Bedingungen das Gesundheitssystem am Laufen halten. An dieser Stelle gehen solidarische Grüße raus an die Beschäftigten des Uniklinikums, die sich aktuell in einem harten Arbeitskampf befinden.

Aber zurück zu Schiffmann: Dieser war zu Beginn der Pandemie einer der prominentesten Verschwörungsideologen, tourte mit seinen kruden Thesen durch ganz Deutschland, verteilte Maskenbefreiungen und berichtete von angeblich durch die Masken verstorbenen Kindern. Wir sehen also schon, in welche Richtung „die Basis“ unterwegs ist. Inzwischen ist Schiffmann nach Tansania ausgewandert und verzapft vermutlich irgendeinen neokolonialen Scheiß.

Im Juli kam es dann zu einer Umbenennung der eben erwähnten Partei „Widerstand 2020“ zur „Basisdemokratischen Partei Deutschlands“ kurz „die Basis“. Unter diesem Namen ist die Partei schließlich auch zur Bundestagswahl angetreten. 
Um sich den menschenverachtenden, ideologischen Abgründen dieser Partei zu nähern, lohnt sich ein Blick auf die Positionen und die Kandidat*innen bzw. Vertreter*innen.

Da wäre zum Beispiel Wolfgang Wodarg, der genau wie Schiffmann irgendwann mal Medizin studiert hat, sich von der Wissenschaft aber mittlerweile großzügig distanziert hat. Er behauptete, Corona sei nicht gefährlicher als die herkömmliche Grippe und es würde auch keine zweite Welle geben. Ebenso stimmte er der Aussage zu, die Regierung wolle die Bevölkerung durch die Impfung dezimieren. Dass noch nicht so viele Geimpfte gestorben seien, läge hauptsächlich an den Placebo-Impfungen, die das Vorhaben verschleiern sollen. Spätestens mit den Auffrischungsimpfungen gehe das Massensterben dann jedoch weiter.

An diese Vernichtungsphantasien schließt sich auch Reiner Füllmich an, der seinen Antisemitismus gar nicht erst zu verstecken versucht. Der Initiator des sogenannten „Corona-Ausschuss“ schwafelt von lebendigen Kraken im Impfstoff und davon, dass Israel einen „Holocaust an der eigenen Bevölkerung“ durchführe. Natürlich darf in diesem Weltbild die Opferinszenierung des treuen deutschen Volkes nicht fehlen. Fuellmich meint, die deutsche Regierung plane „eine Art KZ für Ungeimpfte“ und generell „Schlimmeres als den Holocaust“.

Diesen Geschichtsrevisionismus bedient auch  Frank-Rüdiger Halt, der die Impfung als „größtes Menschheitsverbrechen aller Zeiten“ betitelte und sein zutiefst menschenverachtendes Weltbild auch in Interviews zeigt. Er stellt „Reinheit“ und „Reinhaltung“ der „menschlichen Rassen“ als natürlich dar und verkehrt den Rassismusvorwurf, indem er Integration und Migrationspolitik als den eigentlichen Rassismus darstellt, da sie das Ziel der „Installation einer weltweiten Mischrasse“ verfolgten. Später merkt er noch an, dass der eigentliche Faschismus ja das Geldsystem sei – die „jüdische Hochfinanz“ kann sich jede Person wohl dazu denken. Also Schuldabwehr und Täter*innen-Opfer-Umkehr der schlimmsten Form.

Für alle, die noch nicht genug haben, gibt es dann noch Sucharit Bhakdi. Der reiht sich ebenso in die Reihe ehemaliger Medizin-Studenten, die heute stramme Antisemiten sind, ein. Israel habe sich in etwas Schlimmeres verwandelt als das faschistische Deutschland war. Das sei selbstverständlich in nichts Geringerem als der „Natur der Juden“ begründet.

Wenn Menschen, die solche Aussagen treffen, zentrale Rollen in einer Partei spielen, dann ist diese Partei nicht demokratisch oder sonst irgendwas, sondern schlicht und einfach antisemitisch. „die Basis“ ist eine antisemitische Partei voller Antisemit*innen.

Aber weiter im Text: Eine der vier Säulen der Partei ist die der „Schwarmintelligenz“. Das drückt die völkische Idee einer im Kollektiv intelligenten, homogenen Gesellschaft aus. Der „Wille des Volkes“ ist nicht etwa ein Diskursergebnisse, sondern eine feststehende Position, die einfach nur von den richtigen Führern erkannt werden muss. Die „menschen- und naturgemäße Gesellschaftsordnung“, die die Partei fordert zielt in dieselbe Richtung. 

„die Basis“ übernimmt außerdem einige anthroposophische Positionen. Auf den Rassismus und Antisemitismus Rudolf Steiners wollen wir an dieser Stelle nur kurz hinweisen.

Die Partei fordert die Gleichberechtigung der sogenannten „Alternativmedizin“ und Homöopathie statt Impfungen. Damit reiht sie sich ein in eine lange Geschichte antisemitischer Impfkritik seit dem 19. Jhd.: Die ‚Schulmedizin‘ befände sich als ‚jüdisch-marxistische Wissenschaft‘ in den Händen der Jüd*innen. Impfungen seien ‚Teufelszeug‘ und Teil der jüdischen Weltverschwörung zur ‚Schädigung des deutschen Volkskörpers‘. Auch wenn das Vokabular heute ein anderes ist, die Ideologie dahinter ist ein und dieselbe.

Die Gegenwart sowie die Geschichte wird von „der Basis“ verdreht und geleugnet, wie es ihr gerade in den Plan und ihr Weltbild passt. Da heißt es dann, Deutschland befände sich in einer Diktatur oder zumindest auf dem Weg dahin, es herrsche Zensur und Ungeimpfte würden in Deutschland behandelt, wie von Nazi-Deutschland Verfolgte.

Bei „der Basis“ ist für jede*n was dabei: Regierungskritik für die verunsicherten Bürgis, Homöopathie und Impfkritik für die Esos und Holocaustrelativierung für die Nazis. Und der Antisemitismus wirkt dabei als Kit, der alle zusammenhält, der dafür sorgt, dass Regenbogenfahnen neben Reichskriegsfahnen wehen, dass III. Weg und sog. Freie Linke gemeinsam eine Polonaise tanzen.

Wir sehen also, mit denen ist nicht zu spaßen. Was da drüben auf dem Markt passiert, ist brandgefährlich. Lasst uns heute laut sein und ihnen zeigen, dass wir auf ihre Verschwörungserzählungen, auf ihren Antisemitismus, auf ihre ideologische Scheiße keinen Bock haben. Dankeschön.

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Am 20.10.: Der Basis den Boden entziehen – Antifaschistischer Gegenprotest

Am 20.11. veranstaltet die rechte Schwurbelpartei „Die Basis“ eine Kundgebung auf dem Jenaer Marktplatz inklusive Demozug, um ihre verschwörungsideologische, antisemitische und unsolidarische Propaganda zu verbreiten. Sie verharmlosen die Corona-Pandemie und geben dabei auch noch vor, sich gegen Diskriminierung einzusetzen. Aber hinter der harmlosen Fassade findet sich ein ganz schön brauner ‚bunter Haufen‘ und ein Sammelbecken für Esoteriker*innen, Verschwörungsgläubige, neue und alte Rechte und Nazis.
Das lassen wir nicht so stehen. Wir wollen der Basis den Boden entziehen und deutlich zeigen, dass sie in Jena unerwünscht ist. Deshalb rufen wir zum antifaschistischen Gegenprotest.

WANN: Samstag, 20.11., 14:30 Uhr
WO: Eichplatz

Bitte kommt in Bezugsgruppen und denkt daran, dass die pandemische Lage aktuell äußerst ernst ist. (Lasst euch am besten vorher noch schnelltesten bzw. testet euch selber.)

Aktuelle Infos gibts auf Twitter: #J2011

@soli_statt_quer

Alerta!

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„Entschwörungstheorie“ – Vortrag von Daniel Kulla am Donnerstag den 11.11.

11.11. 18 Uhr – JG Stadtmitte – 2G – Anmeldung: info@jg-stadtmitte.de

Liebe alle,
an diesem Donnerstag, den 11.11. um 18:30 Uhr in der JG Stadtmitte findet die letzte Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Verschwörung & Pandemie“ statt. Wir freuen uns sehr auf Daniel Kulla und seinen Vortrag „Entschwörungstheorie“.
Aufgrund der aktuellen pandemischen Entwicklung wird die Veranstaltung im 2G Modus stattfinden. Außerdem ist eine vorherige Anmeldung nötig. Wenn ihr kommen möchtet schreibt einfach eine Mail an: info@jg-stadtmitte.de
Wir freuen uns auf euch und die Veranstaltung.

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Solidarität mit den Streikenden am Uniklinikum Jena

Wir teilen hier den gewerkschaftlichen Aufruf zur Unterstützung des Streiks der Beschäftigten am Uniklinikum Jena:

Aufruf zur solidarischen Aktion mit den Streikenden am Universitätsklinikum in Jena

Am 11.11.2021 treten die Beschäftigten am Uniklinikum Jena (UKJ) für bessere Arbeitsbedingungen und eine Wertschätzung ihrer Arbeit insb. während der Corona-Pandemie in den Streik. Wir freuen uns auf eure Unterstützung!

Warum?

Aktuell findet die Tarifrunde der Länder statt. Im sog. TV-L (Tarifvertrag der Länder) werden die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten u.a. des Landes Thüringen verhandelt, also für die Kolleg*innen z.B. an Universitäten und Hochschulen, in Landesämtern oder am Universitätsklinikum.

Die Arbeitgeber sind überhaupt nicht bereit, auf unsere Forderungen einzugehen. Die 2. Verhandlungsrunde fand vom 01.-02. November statt und endete abrupt, weil die Arbeitgeber nach dem Mittagessen abgereist sind. Unter anderem sei die besondere Belastung im Gesundheitsbereich durch Corona nur vorübergehend und müsse daher nicht dauerhaft honoriert werden. Unsere Antwort auf ihre Blockadehaltung heißt daher Streik.

Wie kann ich konkret unterstützen?

Der erste große Streik im Gesundheitswesen findet am Donnerstag, 11.11.2021 am UKJ statt.

Komm als Streikunterstützung solidarisch um 05:30 Uhr vor die Klinik und eröffne den Streik mit uns.

Der Ablauf sieht folgendermaßen aus:

05:30 Uhr Treffpunkt vor dem Universitätsklinikum Jena mit Bambule (Am Klinikum 1)

Ab 8:00 Uhr Streikfrühstück und Reden im Streikcafé LISA (Werner-Seelenbinder-Str. 28)

10:00-12:00 Uhr gemeinsame Jugendaktion (Startpunk: Streikcafé LISA)

Mittagessen

Ab 13 Uhr Schichtwechsel mit Bambule vor dem UKJ

Ab 15.30 Uhr Streikbasteln + Vorbereitung nächste Aktionen

17 Uhr Ende und Abbau

Beteiligt euch an den Aktionen, mobilisiert eure Kolleginnen und Kollegen – ganz egal ob Auszubildende, Studierende oder ausgelernte Beschäftigte – und macht ihnen bewusst, dass wir nur zusammen dafür sorgen können, dass sich endlich etwas ändert!

Und haltet euch bereit für die nächsten Streiks – denn unser Kampf endet nicht am 11.11.2021!

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Wegen Unwetter: Veranstaltung verschoben

Die für heute geplante Veranstaltung muss wegen des Unwetters verschoben werden.

Der Vortrag „Entschwörungstheorie“ von Daniel Kulla findet nun am 11.11. um 18 Uhr in der JG Stadtmitte statt.

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Veranstaltungsreihe: Verschwörung & Pandemie


WANN? Ende September bis Ende Oktober

WAS? Veranstaltungsreihe rund um die Themen Pandemie, Verschwörungsideologien und Antisemitismus.

WO? JG Stadtmitte

30.09. mit Peter Schulz – Was hat Verschwörungsdenken mit Kapitalismus zu tun? – Zur Sozialpsychologie des Antisemitismus

07.10. mit Laura Hammel – Aus der (Alb)Traum? Was passiert mit Querdenken und Anhänger*innen von Verschwörungstheorien nach der Pandemie?

14.10. mit Axel Saalheiser – Demokratiegefährdungen in der Corona-Krise

21.10. Kulla – Entschwörungstheorie – Hinter den Kulissen: immer die anderen

Details:

Die Ermordung eines Tankstellenmitarbeiter durch einen Verschwörungsgläubigen am letzten Samstag zeigt erneut, wie gefährlich und gewaltbereit Teile der verschwörungsideologischen Bewegung sind. Doch nicht erst jetzt, sondern seit mittlerweile vielen Monaten demonstrieren die Anhänger*innen von Verschwörungserzählungen rund um die Covid19-Pandemie ihre Gewaltbereitschaft und Demokratiefeindlichkeit, ihren Autoritarismus und Antisemitismus. Um diese Bewegung wirksam zu bekämpfen, müssen wir sie besser verstehen. Darum lädt das Bündnis Solidarität statt Querdenken in Zusammenarbeit mit der Jugend Gemeinde Stadtmitte, dem Jungen Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. Jena und der linksjugend/SDS Jena alle Interessierten zu einer Veranstaltungsreihe ein, die aus verschiedenen Perspektiven gemeinsam mit spannenden Referent*innen genau diese Analyse und dieses Verstehen versuchen will.In der ersten Veranstaltung soll um die Zusammenhänge zwischen Kapitalismus und Antisemitismus gehen, danach wir wollen die Frage nach der Zukunft von Querdenken und co. in einer Zeit nach der Pandemie stellen. Außerdem möchten wir uns mit der Bedrohung für die Demokratie durch Querdenken und Co. in der Corona-Krise befassen und uns schließlich intensiv mit Verschwörungstheorien und der Beschäftigung damit auseinandersetzen und sie kritisieren.Ab dem 30.09. jeweils donnerstags um 18 Uhr in der JG Stadtmitte sind alle herzlich eingeladen, unseren Referent*innen zuzuhören, Fragen zu stellen und mit zu diskutieren. Die Veranstaltungen sollen draußen stattfinden. Bitte kommt getestet, genesen oder geimpft.

30.09. Peter Schulz – Was hat Verschwörungsdenken mit Kapitalismus zu tun? – Zur Sozialpsychologie des Antisemitismus

In den 1920er Jahren versuchte eine Handvoll linker Psychoanalytiker die Freudsche Theorie und ihre therapeutischen Beobachtungen zu nutzen, emanzipatorische politische Praxis schlagkräftiger zu machen. Sie suchten sozialpsychologische Antworten darauf, „warum die Mehrheit der Hungernden nicht stiehlt und die Mehrheit die Ausgebeuteten nicht streikt“, sondern sich stattdessen dem aufsteigenden Faschismus zuwanden, und welche Rolle der Antisemitismus dabei spielte. Eines der Produkte dieser Überlegungen war das Konzept des autoritären Charakters, dass von der Kritischen Theorie übernommen wurde. Im Vortrag und der anschließenden Diskussion wird geschaut, welche Antworten die analytische Sozialpsychologie der 1920er und 1930er uns heute im Bezug auf heutigen Antisemitismus und die Rolle von Verschwörungsdenken im Kapitalismus bieten kann, aber auch, wo vielleicht gerade das Scheitern ihrer Arbeiten lehrreich ist.

07.10. Laura Hammel – Aus der (Alb)Traum? Was passiert mit Querdenken und Anhänger*innen von Verschwörungstheorien nach der Pandemie?

Verschwörungstheorien in gegenwärtigen Protestbewegungen am Beispiel der Proteste in der COVID-19-Pandemie, Analyse neuartiger Protestphänomene am Beispiel von Querdenken 

Seit über einem Jahr werden die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie von Protesten sogenannter „Querdenker“ begleitet. Die Demonstrierenden protestieren gegen Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht und Impfungen und fordern eine Wiederherstellung des gesellschaftlichen Zustandes der Vorpandemiezeit. Die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung verstehen die Querdenker als versteckte Mittel, um die Demokratie in Deutschland abzuschaffen. Kritiker*innen werfen ihnen deshalb vor, offen für Verschwörungstheorien zu sein und rechtsextremen Positionen und Personen auf ihren Demonstrationen Raum zu geben. Seit April 2021 werden die Proteste aufgrund ihrer staatsdelegitimierenden Positionen bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet. Auch wenn sich nach eineinhalb Jahren für viele Menschen in Deutschland ein pandemischer Alltag eingestellt hat, erfreut sich Querdenken eines relativ konstanten Zulaufs. Schwankende Infektionsraten und damit verbundene stärkere oder schwächere Einschränkungen des öffentlichen Lebens scheinen ihre Kernanhänger*innenschaft kaum zu beeinflussen. Wie kann es aber mit dieser Protestbewegung weitergehen, wenn die Pandemie einmal endgültig eingedämmt ist? Was wird aus der Bewegung und den verschwörungstheoretischen Überzeugungen ihrer Anhänger*innen?Der Vortrag will Einblicke in die politischen Netzwerke und die Ideologie von Querdenken geben. Auch warum sich der Protest der Querdenker so häufig verschwörungstheoretisch und (rechts-)populistisch äußert beleuchtet dieser Vortrag. 

Laura Hammel ist Politikwissenschaftlerin, forscht seit mehreren Jahren zu Verschwörungstheorien und promoviert derzeit an der Universität Tübingen zu Verschwörungstheorien in rechtspopulistischen Parteien und Bewegungen.

14.10. Axel Saalheiser – Demokratiegefährdungen in der Corona-Krise

Die Corona-Krise zeigt wie unter einem Brennglas, dass Verschwörungsideologien, antidemokratische Agitation und rechtsradikale Mobilmachung ineinandergreifen und ihre Wirkung entfalten – online und offline, bis hin zu Gewalt und Mord. Im Mittelpunkt des Vortrags stehen wissenschaftliche Befunde zur derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklung sowie die Frage, welche Lehren daraus gezogen werden können.
Referent: Dr. Axel Salheiser, geboren 1976 in Gera, ist Soziologe und seit 2019 wissenschaftlicher Referent am Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) Jena in Trägerschaft der Amadeu Antonio Stiftung. Er forscht u.a. zu Rechtsextremismus, Ethnozentrismus und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Im Rahmen der Beteiligung des IDZ am „Forschungsinstituts gesellschaftlicher Zusammenhalt“, einem vom BMBF-geförderten Verbund von elf deutschen Universitäten und Forschungsinstituten, leitet Axel Salheiser ein Projekt zum Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und den Herausforderungen im Kontext des Klimawandels. Seit 2012 ist Axel Salheiser außerdem Co-Autor des Thüringen-Monitors, der jährlichen Bevölkerungsbefragung zur politischen Kultur im Freistaat, die an der Friedrich-Schiller-Universität durchgeführt wird.

21.10. Kulla – Entschwörungstheorie – Hinter den Kulissen: immer die anderen

Entschwörungstheorie ist ein ironisches Label. Ziel ist nicht die einheitliche Feldtheorie zur Widerlegung sämtlicher Verschwörungstheorien. Vielmehr geht es darum, das Thema für eine kritische Diskussion überhaupt zugänglich zu machen und die dafür wichtigen Fragen aufzuwerfen. Motiv ist die Unzufriedenheit mit der bisherigen Beschäftigung mit Verschwörungsdenken, die besonders in Deutschland vorwiegend in unkritisches Durchwinken einerseits und akademisch-elitäres Bashing andererseits zerfällt.
Kulla kritisiert die Begrifflichkeiten und Ansätze der öffentlichen, politischen und akademischen Beschäftigung mit dem Verschwörungsdiskurs. Schwerpunkte sind dabei der Ideologiebegriff, der Zusammenhang mit Herrschaft und typische Fallstricke der praktisch-alltäglichen Konfrontation. In Abwendung von der häufigen, oft auch ausschließlichen Konzentration auf Einordnung, Verurteilung und Pathologisierung soll es um Gemeinsamkeiten der “Verschwörungstheorien” mit anderen Formen von Ideologie gehen, um im Anschluß daran den spezifischen Inhalt der “Verschwörungstheorien” und dessen Rolle als Kitt für ideologische Erzählungen herauszuarbeiten. Schließlich diskutieren wir die Grenzen der diskursiven Auseinandersetzung und andere, vor allem praktisch-politische Möglichkeiten, um Ideologie die Grundlage zu entziehen.

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„Mut Kidz“ – Verein mit Verbindungen in die Querdenken-Szene?

Seit einigen Monaten gibt es einen neuen Verein in Jena. „Mut Kidz“ bezeichnet sich selber als gemeinnütziger Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendhilfe. Doch diese scheinbar harmlose Fassade bröckelt, denn nach unseren Informationen gibt es enge personelle Überschneidungen mit der lokalen Querdenken-Szene. Es scheint Verbindungen zu „Leere Stühle Jena“, über die wir anderer Stelle schon geschrieben haben, diversen Kundgebungen und einschlägigen Chat-Gruppen zu geben.

Dass auf der Website des Vereins davon nichts zu hören ist, macht nur Sinn, doch halten wir dies für ziemlich problematisch und gefährlich. Und zwar, weil es sich bei den Positionen der Querdenkenden und selbsternannten Corona-Rebell*innen nicht um „Maßnahmenkritik“ im Sinne individueller Freiheitsrechte handelt, wie sie selber behaupten, sondern um antisemitische Verschwörungserzählungen und unsolidarischen, antidemokratischen Autoritarismus.

Natürlich wissen wir nicht, was bei den Gruppentreffen, den Tagesausflügen oder den Ferienfreizeiten von „Mut Kidz“ passiert, aber wir sind sehr besorgt darüber, dass die Menschen hinter dem Verein die oben beschriebenen Positionen öffentlich vertreten.

Wir haben in den letzten Monaten gesehen, wie die verschwörungsideologische Bewegung immer wieder Kinder und Jugendliche für die eigenen Zwecke instrumentalisiert, ob als Schutzschild vor Wasserwerfern auf Demos oder als Legitimation für die Verbreitung kruder politischer Anschauungen. Zudem ist das Zusammenwirken von Autoritarismus und Dogmatismus im Kontext von Kinder- und Jugendarbeit fatal.

Wir sollten also wachsam sein und freuen uns über weitere Informationen und Erfahrungen rund um „Mut Kidz“. Dafür könnt ihr uns gerne per Mail kontaktieren.

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Veranstaltungsempfehlung: „Krieg gegen Israel – Hass auf Juden. Nahostkonflikt und israelbezogener Antisemitismus

Donnerstag, 03. Juni, ab 18 Uhr

Link zum Livestream: https://youtu.be/3k3_sB_JBYw

Veranstalter*innen: Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft, Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Thüringen, Amadeu Antonio Stiftung

Im Zuge der Eskalationen in Nahost kam es in den vergangenen Wochen zu massiven antisemitischen Ausschreitungen in Deutschland und weltweit. In vielen deutschen Städten wurden israelische Flaggen verbrannt, Gedenkstätten und Synagogen angegriffen, Juden und Jüdinnen mit Hassbotschaften überschüttet – auch in Thüringen. Wovor Mitglieder der jüdischen Community und Antisemitismusexpert:innen schon lange warnen, scheint sich erneut zu bestätigen: Hinter dem Hass auf Israel, der nicht selten als „legitime Kritik“ verharmlost wird, verbirgt sich häufig blanker Antisemitismus. Der israelbezogene Antisemitismus ist aber mitnichten nur unter „Zuwanderern“ zu finden, wie es rechte Kräfte derzeit darstellen, sondern in weiten Teilen der Gesellschaft verbreitet.

Anlässlich der antisemitischen Ausschreitungen widmet unsere Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS Thüringen) in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen und Mobit e.V. einen Abend dem israelbezogenen Antisemitismus.

Wie artikuliert sich israelbezogener Antisemitismus derzeit, wie sind die aktuellen Ausschreitungen zu bewerten und woran lassen sich auch weniger offensive Formen erkennen? Was verbindet die Hamas mit den antisemitischen Demonstrierenden in Deutschland? Und wie wirkt sich die Situation auf Juden und Jüdinnen in Thüringen aus?

Diese und weitere Fragen sollen im Gespräch am 03. Juni 2021 ab 18 Uhr mit Expert:innen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutiert werden. Zu Gast ist der Publizist und Antisemitismus-Experte Alex Feuerherdt, der zu Beginn über israelbezogenen Antisemitismus referieren wird. Auf dem anschließenden Podium begrüßen wir den Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Prof. Dr. Reinhard Schramm sowie die Projektleiterin von Mobit e.V., Romy Arnold. Die Veranstaltung wird moderiert von Anja Thiele (RIAS Thüringen, IDZ).
 
Gäste:
Alex Feuerherdt (Autor und Antisemitismusexperte)
Prof. Dr. Reinhard Schramm (Vorsitzender Jüdische Landesgemeinde Thüringen)
Romy Arnold (Mobit e.V.)
Moderation: Dr. Anja Thiele (Wissenschaftliche Leitung RIAS Thüringen, IDZ)
 
Die Veranstaltung kann online und ohne Registrierung via Livestream auf dem IDZ Youtube Kanal verfolgt werden. 
 
Link zum Livestream
https://youtu.be/3k3_sB_JBYw

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Nahostkonflikt und Antisemitismus

Erneut geht die Zuspitzung im Nahostkonflikt mit einer Zunahme antisemitischer Angriffe und Anfeindungen in Deutschland einher.

Dabei wird wieder einmal ersichtlich, dass es in Wirklichkeit nicht um die komplexe Situation des Konflikts geht, sondern bestehender Antisemitismus unter dem Deckmantel der „Israel-Kritik“ mobilisiert wird.

Wenn in Deutschland Synagogen angegriffen werden, steht das in keinem Zusammenhang zum israelisch-palästinensischen Konflikt.

Es ist erschreckend, welches Ausmaß die Bedrohung für Jüdinnen_Juden auf der ganzen Welt und in Deutschland hat.

Die aktuellen Ereignisse bezeugen die Notwendigkeit eines wehrhaften jüdischen Staats.

Unsere Solidarität gilt allen von Antisemitismus Betroffenen und Bedrohten.


Wenn ihr antisemitische Vorfälle erlebt oder beobachtet, meldet diese bei der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) unter report-antisemitsm.de


Wenn ihr etwas über israelbezogenen Antisemitismus lernen wollt, könnt ihr das hier:https://www.anders-denken.info/informieren/israelbezogener-antisemitismus-1,  http://emafrie.de/audio-was-ist-israelbezogener-antisemitismus/

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Veranstaltungsempfehlung: „Tarifpolitik in der Corona-Pandemie“

Das Institut für Soziologie veranstaltet am Freitag folgende Veranstaltung, auf die wir Euch hinweisen möchten:

„Tarifpolitik in der Corona-Pandemie – Gewerkschaftliche Gegenmacht und Zukunftssicherung in einer Transformationsbranche“

Im Rahmen des Seminars „Arbeitsbeziehungen in der kapitalistischen Transformation. Zwischen Verwilderung und Neukonfiguration“, das in diesem Sommersemester von Hans-Jürgen Urban für Master-Studierende am Institut für Soziologie der Uni Jena angeboten wird, findet am Freitag, den 14. Mai von 17:00 bis 19:00 Uhr ein für alle offenes Online-Panel statt. Dazu ist IG-Metall Bezirksleiter aus Baden-Württemberg Roman Zitzelsberger eingeladen und referiert über Tarifpolitik in der Corona-Pandemie. Er kann dabei auf Erfahrungen als Verhandlungsführer in Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie zurückgreifen, die noch während der Corona-Pandemie stattfanden. Gemeinsam mit allen Interessierten wollen wir diskutieren, welche Chancen und Schwierigkeiten sich für gewerkschaftliche Organisierung und Tarifpolitik durch die Pandemie ergeben, welche Rolle Gewerkschaften in Transformationsbranchen spielen und welche Perspektive sie bieten (können).

Die Zugangsdaten für die Veranstaltung lauten:

Thema: Panel_Tarifpolitik in der Corona-Pandemie mit Roman Zitzelsberger

Uhrzeit: 14.Mai.2021 05:00 PM

Zoom-Meeting beitreten

https://uni-jena-de.zoom.us/j/66436173742

Meeting-ID: 664 3617 3742

Kenncode: 317473

Wir freuen uns auf rege Beteiligung und einen fruchtbaren Austausch.